Mittwoch, 20. April 2016

Wie besser?

Eine Antwort an den @Musikpirat - Christian Hufgard zu seinem Beitrag: "Von toten Pferden, lebenden Piraten und Hoffnung" und in Fortsetzung bzw. Ergänzung auf den Blogpost der Drachenrose.

Hallo Christian, danke für diese weitere Einschätzung des aktuellen Zustands der Piratenpartei. Ich gebe sowohl dir, als auch der der Arbeit von Carmelito, tatsächlich recht. Der Zustand der Piratenpartei ist - gelinde gesagt - desaströs. Die Gründe sind so vielfältig wie die Mitglieder selbst. Von einer homogenen Gruppe kann man hier tatsächlich nicht sprechen. Es wäre sicher von Vorteil, aber man kann sich die Mitglieder leider nicht backen, daher muss man das nehmen, was man hat. Na ja, fast .. ;o)

Ich vermisse und vermisste bisher immer und überall, in den Texten zum Zustand der Piraten, Ideen, wie man etwas besser machen könnte. Entweder hat tatsächlich keiner Ideen, was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, oder man traut sich nicht, vorzupreschen und neue Ideen zu präsentieren. Vermutlich ist auch beides möglich. Einen Teil davon hat die Drachenrose ja schon formuliert, einige, aus meiner Sicht, wesentliche Dinge fehlten mir jedoch noch.

Für diesen Text nutze ich der Einfachheit halber mal meine Worte, weil sie genau das aussagen/ ausdrücken sollen, was ich meine und nicht, wie sie am schönsten aussehen sollen. Wer das nicht mag, kann das Text Lesen an dieser Stelle gern beenden.
Bitte - Danke.

Das Spiel mit den Blümchen

Die Piraten sind alles andere als tot. Wer das behauptet, hätte das gerne. Die Piraten haben sich aus meiner Sicht nur verzettelt. An die Stelle klarer Worte ist das Abwägen von Worten getreten. Meine Definition für viele Piraten lautet hier immer: "Du willst schöne Blümchen um die Sprechblase, damit der Inhalt der Botschaft schöner aussieht.". Oder anders gesagt, "Form geht vor Inhalt(?)". Hauptsache, die Botschaft wurde "schön herüber gebracht, da spielt der Inhalt keine Rolle mehr". Ergebnis dieser Prozedur war die allen bekannte, berühmt-berüchtigte "Flauschcon".

Die Piraten hat, natürlich nicht allein, dieser ganze "Genderwahnsinn" letztlich entzweit und dazu geführt, dass man keine klare Sprache mehr sprechen konnte, ohne gleich einem Shitstorm ausgesetzt zu sein. (Ich höre gewisse Leute schon wieder meckern)

Sprache zu gendern, bzw. sie vielleicht sprachlich zu entschärfen, mag durchaus wichtig sein. Die Frage aber ist: "Muss das heute schon sein?". Gibt es nicht heutzutage wesentlich wichtigere Punkte auf dieser Welt, in diesem Land, die geklärt und bearbeitet werden müssen?

Es geht prinzipiell gar nicht darum, den einzelnen Punkten eine "Wertigkeit" zu verpassen. Es geht nur darum, so eine Art von Zeitlinie zu erarbeiten. Welcher Punkt muss erfüllt sein, damit ich die nächsten Schritte tun kann? Welche Punkte kann ich "auf später" verschieben, weil sie primär nicht die ersten Schritte unterstützen, sondern nur Personal und damit Arbeitszeit binden und uns behindern?

Ich nenne das für mich für gewöhnlich: "Die Politik der kleinen aber bedachten Schritte.".

Wer fragt der führt!

Ein weiterer Punkt ist die von mir so oft kritisierte "vorausschauende Angepasstheit". Werden Anträge zu Programmen gestellt, wird diskutiert, gefochten, gequengelt und gestrichen was das Zeug hält. Heraus kommen dann oft schwammige Anträge, die die Grundidee zwar noch wiedergeben, nicht jedoch die Chance haben, jemals in die Tat umgesetzt zu werden. Unsere Anträge sind in den meisten Fällen nicht praxistauglich. Sie sind zerredet, oft viel zu umfangreich und damit inhaltsleere Textwüsten. Nicht umsonst wird häufig gesagt, dass das Piratenprogramm unverständlich für andere sei.

In Hessen wurde das damals richtig gemacht. Das alte Programm ersatzlos gestrichen und durch das Programm der Isländischen Piraten ersetzt. Einfach, prägnant und - das ist ganz wichtig - es lässt Optionen offen! Wir müssen nicht gleich jede Eventualität, die nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen auftreten kann, im Keim erschlagen. Das ist kein Perfektionismus, das ist schlicht und einfach Korinthenkackerei. Etwas, woran die Piraten in der Tat scheitern werden!

Klare Sprache vermisse ich auch in unserer Außendarstellung. 2009 waren die Piraten "die mit den Fragen". Das stand auf gefühlt jedem zweiten Wahlplakat. Und heute sind die Piraten: "die mit den Forderungen". Ich weiß nicht genau, was das soll, denn gehe ich in unserem Lande auf und ab und spreche mit den Menschen, höre ich da Forderungen? In den allermeisten Fällen höre ich Fragen nach dem "Warum"!

Wer des Wählers Stimme haben möchte, der sollte sich bemühen, auch seine Sprache zu sprechen, seine Gedanken verständlich zu machen. Der Wähler muss also sich selbst in unseren Worten wiederfinden können! Passiert das? Nein!

Wir sollten wieder den Mut haben, Fehler zu machen! Damit meine ich keine Beschneidungsdebatten! Solche Diskussionen sind Gift, weil es dafür _KEINE_ logische Antwort geben kann! Wir hantieren mit diesem Thema an - Glauben -, nicht an logischen Schlussfolgerungen oder so. Von daher - Finger weg - ! Daran sollen sich Merkel und Co die Finger verbrennen. Wir müssen echt nicht zu allem unseren Senf abgeben. Auch, wenn es einige gibt, die das gern auf der Agenda hätten. Hier sollte ganz drastisch kar gemacht werden - Piraten sind keine Spielarena für Menschen mit Partikularinteressen, die sie gern für sich allein umgesetzt sehen wollen! Entweder es ist ein Thema, das alle Piraten plus die Gesellschaft interessiert, oder kannst du gern woanders spielen! Punkt.

Zurückfinden

Wir müssen endlich den Weg dahin zurückfinden, wieder "angreifbar" zu werden! Auf die blöden Fragen von Presseleuten damals - "Aber ihr habt doch kein Programm!" - haben wir was gemacht? Wir haben uns treiben lassen und ein Vollprogramm entwickelt, das am Ende keinen mehr interessiert hat. Diese merkwürdige "Alternative" hat auch kein Programm, tut aber mit ihren Spartenthemen genau das Richtige - "Sie polarisieren"!

Ja, wir können uns durchaus genau daran ein Beispiel nehmen. Nun, natürlich nicht thematisch, nicht in Fremdenhass oder Islamkritik verfallen. Das wäre der falsche Weg. Aber Merkel zum Beispiel vor sich hertreiben, in dem man ihr knallhart vor den Kopf haut und ihr sagt: "Du treibst mit deiner Politik des Aussitzens und mit deinen hohlen Sprüche viele Bürger genau in die Arme dieser 'Alternative'!". Du (Merkel) sagst: "Der Islam gehört zu Deutschland"? Natürlich tut er das, nur nicht jener Islam, der Scharia fordert oder Mädchen und Frauen diskriminiert!". Das wären deutliche Worte! Aber in genau demselben Stil wird ein Böhmermann ans Messer eines Despoten geliefert. Mehr als 2/3 der Deutschen sind dagegen. Und was macht Frau Merkel? Das gewählte Oberhaupt, gewählt in einer demokratischen Wahl, vom Volk, als dessen Stellvertreter? Sie tut entweder nichts oder sie wendet sich gegen den Willen des Wahlvolkes!

Nun ja, Piraten fordern derweil lieber die Abschaffung einer GEZ. Steht zwar nirgends, passt aber grad so schön in den Text, weil es ja etwas von Staatsfunk hat und damit an die DDR erinnert. (Alter, ich hab heut noch Hals wegen dieser dümmlichen PM!)

Interessant sind dann auch solche Sätze (heute) aus dem Landtag NRW - UND KEINEN REGT ES AUF(!). Da sagt einer dieser Abgeordneten folgenden Satz, sinngemäß, in Richtung Piraten: "Sie solidarisieren sich mit den Schülern, damit Sie deren Stimmen bekommen und im Landtag bleiben"
What the Fuck?! Wie kann eine Partei nur Dinge, die sie früher mal versprochen hat, diese auch noch auf die Themenliste zur Abstimmung bringen? Ja ich weiß, SPD, Grüne und alle anderen, versprechen das blaue vom Himmel und machen nichts bzw. das Gegenteil davon! Und wir? Nüx, nada .. das müsste nen Shitstorm geben. Aber nix.


Fazit?

Wir müssen raus aus der Falle, alles in schöne Worte zu verpacken. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird! Außerdem, was interessieren mich Dinge und wie sie zum "nicht Funktionieren" gebracht werden können?! Allein habe ich 1000 Antworten dazu, wie etwas nicht funktionieren kann! Da brauche ich keinen anderen, der mir das sagt. Aber wäre es stattdessen nicht mal viel besser, darüber nachzudenken, wie etwas zum Funktionieren gebracht werden kann? Auch, wenn es vielleicht utopisch sein mag, genau diese eine Idee zu durchdenken. Aber kann es nicht durchaus passieren, dass aus dieser einen unmöglich erscheinenden utopischen Idee, wenn man sie positiv durchdenkt, etwas Neues, viel Besseres an Gedanken entsteht?

Zuhören ist allererste Pflicht. Und nur zuerst zuhören! Dann durchdenken! Dann kann man eventuell mal eine Antwort geben. Aber auch nur dann, nicht vorher! Aber zuhören können die meisten nicht. Sie wollen es nicht, weil das eigene Weltbild sonst in sich zusammenbrechen könnte! Man müsste sich ja andere Gedanken machen, die die eigene Argumentation zerstören würde. Ich sags ganz frei, auf solche Leute können wir verzichten! Jederzeit! Sie stören und hemmen nur die kreativen Gedanken und Ideen!

Wir brauchen - und das ist wohl derzeit das wichtigste - Personen, die ihren Kopf für uns hinhalten und aggressiv/konstruktiv, unsere Ideen nach vorne bringen. Wir müssen zeigen, dass wir gewillt sind, Dinge zu verändern. Wir müssen zeigen, dass wir sachorientiert arbeiten. Mit uns würde es keine Koalitionen geben, die unsere eigenen Ideen mit Füßen treten, so wie es SPD und Grüne vormachen! Wir müssen zeigen, dass wir jene sind, die versuchen, eine fortschrittliche, dem Menschen zugewandte Gesellschaft fördern zu wollen. So und nicht anders können wir noch punkten. Ansonsten können wir die Piraten tatsächlich begraben. Außerdem sind wir eine Partei, kein Aktionsbündnis!

Wir müssen jetzt alles auf eine Karte setzen, falsch machen können wir nichts mehr. Wir können nur noch gewinnen! Alles andere hat keinen Zweck mehr! Entweder, wir versuchen, ein vernünftiges Gesellschaftsbild zu etablieren, oder wir lassen es sein.

Kommentare:

  1. Wenn! Ja wenn die Piraten wieder zu ehrlicher Politik finden würden!

    Du legst den Finger wirklich tief in die Wunde. Genau das dürfte vielen nicht gefallen, weswegen dein Text auch nicht so die Wellen schlägt wie die der anderen Protagonisten.

    Mehr Mut und klare Worte, das wäre tatsächlich ein Anfang um das Ruder noch herumreißen zu können. Aber dazu müsstest du dich selbst aus deinem Versteck begeben und nach vorne treten. Wie wäre es damit? Spiele eine Rolle im nächsten Bundesvorstand. Eine wesentliche, keine Rolle eines Statisten!

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