Das Wahlergebnis ist so, wie ich es im Prinzip erwartet habe, aber im Traum nicht daran gedacht habe, es tatsächlich so zu erhalten. Die Hoffnung stirbt eben immer zuletzt. Sie ist gestorben, zumindest was das Wahlergebnis betrifft.
Wir können nun natürlich lange Wunden lecken und uns einreden - wir sind nicht schuld - denn, wenn ich mir das Ergebnis für "Sonstige Parteien" ansehe im Vergleich zu 2013, hier fehlen mehr als 50% der Stimmen für die Kleinparteien. Das macht sich nun natürlich auch für uns bemerkbar.
Die Situation wird dadurch nun nicht besser für uns. Die Piraten sind aus der Parteienfinanzierung geflogen und wir müssen - wohl oder übel - mit dem auskommen, was wir haben. Wir müssen sparen. Ende der Bestandsaufnahme.
Wie also weiter?
Wir müssen aus dem Trott heraus, uns jedes Jahr über neue Vorstände definieren zu wollen. Dass das nicht klappt, dürfte inzwischen auch dem Letzten aufgefallen sein. Wir können es uns jetzt tatsächlich zum ersten Mal wirklich leisten, einen rein verwaltenden Vorstand zu wählen. Wir müssen nichts repräsentieren, wir müssen zuerst unsere Hausaufgaben machen. Das bedeutet, wir können unsere Vorstände zum einen auf ein Mindestmaß reduzieren, zum anderen für einen längeren Zeitraum wählen. Wir brauchen die Vorstände, weil es das Gesetz so vorschreibt. Das Gesetz schreibt uns aber nicht vor wie wir uns organisieren.
Die Landesverbände müssen in den kommenden Jahren viel, viel enger zusammenarbeiten. Es ist mehr als dringend nötig, den gesamten Wasserkopf vollständig zu zerschlagen und neu zu organisieren. Auf Landes- wie auf Bundesebene. Allein das wird dazu führen, dass wir weiterhin aktive Personen verlieren werden. Wer jedoch auf Egozentriker immer noch Wert legt, denn es werden genau jene gehen die meinen, sie seien etwas "Besonderes", die im Prinzip aus Frust gehen, weil sie nicht das Förmchen bekommen welches sie gern haben wollen, der legt Wert auf Strukturen, die die Piraten immer mehr ins Abseits gestellt haben. Das einzige, was in der Vergangenheit immer wieder passiert ist - der Wasserkopf wurde größer.
Ich starte deswegen mal die Diskussion
1. Verlängerung der Wahl des BuVo auf zwei Jahre
2. Minimierung des Vorstandes auf ein absolut mögliches Minimum
3. für die kommenden 2 Jahre rein verwaltende Vorstände, keine Außenkommunikation
4. BuVo-Sprechstunden und BuVo-Sitzungen auf ein Minimum reduzieren
5. "kleines" Berichtswesen über die Kommunikation von Entscheidungen
* Weiterhin muss im Moment vieles einfach zentralisiert werden. Aus meiner Sicht müssen sich alle Landesverbände und der Bund zusammensetzen und die gesamte IT-Infrastruktur vereinheitlichen. Auf zwei Standorte verteilt, damit eine minimale Lastverteilung und Ausfallsicherheit gegeben ist.
* Im Weiteren müssen wir die komplette Infrastruktur dieser ganzen verschiedenen Webdomains löschen. Es mag zwar nett sein - jeder seine eigene Webdomain - aber wir können das auch anders. ort.piratenpartei.de oder eben fraktionX.piratenpartei.de. Kleinvieh mach auch Mist. Und wenn wir hier allein im gesamten Bundesgebiet nur einige tausend Euro einsparen, wir gewinnen viel. Zuerst sind Parteitage im Bund finanziert und im Zweiten kann uns dann wirklich jeder finden - einfach nämlich durch Eintippen des Ortes ...
* Die Verwaltung muss weg von Sage. Das System kostet zu viel und entspricht im Prinzip nicht unseren Anforderungen, hat es auch nie.
* Wir brauchen endlich eine Online-Beteiligung. Die FDP hat es vorgemacht wie man sich einen Account anlegen kann, ohne dass er zurückverfolgbar ist! (Rubbellose)
* Reset des Wahlprogramms - mithilfe einer Online-Beteiligung - nur so funktioniert das noch!
* Wahlprogramm muss auf ein Mindestmaß an Informationen reduziert werden. Auch im Hinblick auf alle anderen Organisationen.
* Entschlacken der Satzung
* Weg mit den Themenbeauftragten
* Auflösung der Öffentlichkeitsarbeit, wir müssen zuerst nach innen kommunizieren und mit unseren eigenen Problemen fertig werden, ehe wir uns wieder dem Leid der ganzen Welt widmen können.
* Wer Wahlkampf machen will, kann das gerne tun, allerdings ohne den Bund. Wir brauchen nicht anzutreten, nirgends. Das heißt hier insbesondere, erster möglicher Termin wieder an einer Wahl teilnehmen zu wollen sollte die Europa-Wahl sein - eher nicht! Denn wir haben uns nicht sortiert und haben auch nicht die Möglichkeiten, diese Partei wieder in die Spur zu bringen und gleichzeitig irgendeinen Wahlkampf zu bestreiten. Die Ressourcen, die dabei drauf gehen würden, müssen wir effizienter und sinnvoller einsetzen!
* Reden, reden, reden - soll heißen, wir müssen an den "Verhandlungstisch" mit all den Organisationen und Clübchen zurück, die da irgendetwas mit Netzpolitik zu tun haben. Das bedeutet, kleine Brötchen zu backen und Kompromisse zu SUCHEN! Wir müssen auch erklären, weswegen wir eben mehr machen wollen, als uns nur um "Klientelpolitik" zu kümmern. Das Verständnis müssen wir erreichen, sonst zerbricht alles. Und das muss auch Netzpolitik und all den anderen klar werden. (Siehe Kristos Blogpost)
Was wir aber in der Zeit tatsächlich brauchen - ein Gesicht, das uns im "Notfall" auch nach außen hin vertreten kann. Anja hat hier Hervorragendes geleistet! Ich könnte mir hier durchaus vorstellen, nur sie, wenn wir doch mal gefragt werden, genau sie dahin zu entsenden.
Themen statt Köpfe - Leben wir unsere Forderungen und Wahlslogans doch einfach zuerst einmal selbst vor und zeigen es dem Rest, dass wir es ernst meinen.
Erst wenn wir diese Hausaufgaben erledigt haben - ALLE - erst dann brauchen wir wieder an die Öffentlichkeit zu gehen. Erst dann brauchen wir wieder zu Wahlen anzutreten. Ein Ziel könnte die Europawahl 2019 sein. Aber bis dahin müssen wir das nutzen was wir haben. Uns nutzen keine Hirngespinste, wie eine vermutlich zu erreichende Parteienfinanzierung in irgend einem Bundesland, denn wir werden sie nicht mehr bekommen. Seien wir doch endlich ehrlich zu uns selbst und lassen uns lieber von CDU, SPD bis Grüne in die Taschen lügen, wir müssen das nicht auch noch selber tun. Ich bitte euch darum. Fangen wir bitte bei Null an, sonst verzetteln wir uns nur wieder. So hart das auch für einige sein mag. Diese bittere Pille müssen wir endlich schlucken. Auch ich.
Hinweis: Es soll als Diskussionsgrundlage dienen! Und denkt bitte endlich mal quer. Nichts von dem ist in Stein gemeißelt. Seid doch bitte endlich mal kreativ!
Und falls euch nur 5% an der Diskussionsgrundlage stören - dann schluckt es runter und diskutiert den Rest! Es kann doch nicht sein, dass immer wieder wegen solchen Unvermögens alles andere den Bach heruntergeht und ignoriert wird! "Der will mir meine Förmchen klauen!" Nein, genau so geht es eben nicht! Dann zieht in Regensburg den Stecker, wenn euch 5%, die euch nicht gefallen, wichtiger sind als der Rest.
Montag, 25. September 2017
Sonntag, 19. März 2017
Staat und Kirche
Einleitung
Die Trennung von Staat und Kirche ist mal wieder Thema zu einem Bundesparteitag. Ich ziehe an der Stelle nicht in Zweifel, dass diese Trennung von Staat und Kirche eine notwendige Grundvoraussetzung ist, um Menschen eine vom Gedanken her unabhängige und notwendige Gleichberechtigung zu ermöglichen. Deswegen gehören Treue-Schwüre auf die Bibel oder Bekenntnisse wie "So Gott mir helfe" nicht in öffentliche Ämter. Vereidigungen von Parlamentariern gehören da ebenso nicht dazu, da ein solch abgeleisteter Schwur für mich als bekennender Agnostiker auf irgend eine Bibel so gar keine Relevanz besitzt. Wenn unsere Bundeskanzlerin mir schwören würde, ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen zu tun, dann wäre ich beeindruckt. So gehört der Schwur lediglich irgendeinem fabelhaften Wesen, das für mich ohne Bedeutung ist.
So haben ebenfalls in staatlichen Einrichtungen keinerlei Glaubensartefakte etwas zu suchen. Unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrhunderten weiterentwickelt. Diesem Ansatz sollte man Folge leisten. So gehören Kruzifixe weder in eine Schule, noch in einen Gerichtssaal. Ebenso gehören Kopftücher, als Ausdruck eines Glaubens, in keine Schule. Man wird mit einer Hautfarbe geboren, von der man sich nicht trennen kann, Glaubensbekenntnisse, welcher Form auch immer, gehören da nicht zu einer schützenswerten Spezies. So, wie mich nicht die sexuelle Vorliebe meines Gegenübers interessiert, so sind mir religiöse Vorlieben auch herzlich egal. Der Mensch ist mein Interesse, sein Handeln, nicht seine Herkunft oder auf welcher Grundlage sein Handeln basiert.
Antrag WP024
Trotzdem habe ich ein großes Problem mit diesem Antrag, weil er die sprichwörtliche Axt im Walde spielt. Piraten, so war meine Meinung bisher, wollten sich differenziert mit den Dingen in dieser Gesellschaft auseinandersetzen. Zu diesen Dingen gehört nachweislich auch der ein oder andere praktizierte Glaube. Dazu gehört aber ebenso die Beachtung historischer Entwicklungen und Gegebenheiten. Religionen gehören seit Menschengedenken zu den prägendsten Dingen auf dieser Welt. Dass dies oft nicht im Sinne und für den Menschen war, liegt lediglich am Menschen selbst. Der Papst z.B. ist nun mal Stellvertreter Christi auf Erden. Wie die meisten von uns sicher selbst wissen, nur Stellvertreter oder Angestellte können fehlbar sein, Chefs sind sozusagen sakrosankt. ,o)
Soll heißen, es ist der Mensch, der $Dinge tut, nicht irgendeine Kirche, Gott, Glauben etc.
Die Trennung von Staat und Kirche bedeutet eben nicht nur, dass die Kirchensteuer nicht mehr erhoben wird. Die Folgen sind viel weitreichender als man oberflächlich denken mag. Um das aber zu erkennen, muss man sich mit den Tiefen aus Historie und Bibel auseinandersetzen. Klöster z.B., sind seit jeher ein Ort der Wissenschaft und Bildung, ein Ort der Entwicklung, ein Ort der Hilfe gewesen. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil dieser weltlichen Kultur, auf der viele der Grundsätze für diese moderne Gesellschaft fußen. Die Kirche und somit der Glaube ist damit praktisch ein wesentlicher Bestandteil, ein Baustein der heutigen Gesellschaft, ohne den wir viele Probleme mehr hätten.
Die Kirchen sind ein Teil des heutigen öffentlichen Rechts als sogenannte Körperschaften. Kurz umschrieben, sie haben mit diesem Status teils umfassende Aufgaben der staatlichen Hoheit übernommen. Und hier ist insbesondere ein wesentliches Merkmal enthalten, das auf dem in der Bibel so oft beschriebenen Respekt gegenüber den Menschen basiert. Es gibt inzwischen unzählige kirchliche Einrichtungen, angefangen bei Krankenhäusern, Rettungsdiensten, über Kindergärten, Hospiz- und Pflegeeinrichtungen, bis hin zur Opferseelsorge. Alles Dinge, die auf Basis dieser Gesetze funktionieren und die der Staat selbst nicht in der Lage ist zu leisten! Und wer jetzt die Trennung von Staat und Kirche fordert, fordert im Prinzip eine teilweise Enteignung der Kirchen - was ja nicht das erste Mal passieren würde - und opfert damit einen großen Teil an gesellschaftlicher "Selbsthilfe".
Wer also diese Trennung von Staat und Kirche durchsetzen möchte, der sollte bitte gefälligst zuerst diese Dinge "revolutionieren" und verändern, die im alltäglichen Leben inzwischen nämlich selbstverständlich geworden und nicht mehr wegzudenken sind. Erst dann kann man die Sense ansetzen und den Rest entfernen. Salopp gesagt, wer mit Hilfe eines solchen Antrags die Ängste in der Gesellschaft schüren möchte - bitte gern - aber ohne mich.
Der Antrag fordert auch, Zitat: "Weiterhin sind Feiertagsgesetze zu streichen, die der Allgemeinheit aufgrund religiöser Auffassungen Verhaltensvorschriften auferlegen."
Das würde in letzter Konsequenz bedeuten, "Ihr erklärt von nun an den Kindern, weswegen Weihnachten oder Ostern flach fallen und ersatzlos gestrichen werden.", denn diese Feiertage, so die offen zur Schau getragene Denkweise der Antragsteller, gehören dann gleich mit abgeschafft! Und natürlich Vorschriften wegen eines Glaubens, zudem auch noch "von anderen", gehen schon mal gar nicht! Erst recht nicht, wenn es einen selbst nicht interessiert. Das ist wie mit dem Graffiti an einer Hauswand oder der Pyrotechnik "irgendwo". So lange es die betreffenden Antragsteller selbst nicht (be)trifft, findet man es schön und möchte, dass andere das auch tolerieren.
Oh wait!
Da ist es wieder, das Wort "tolerieren". Toleranz ist in meinen Augen auch ein Teil von Vorschrift, in gewisser Weise sozusagen eine verordnete Toleranz, eine Forderung sozusagen. Und Forderungen anderer erfüllt man ja eher widerwillig. Man stört den Nachbarn eben so lange mit seiner Musik wie man das möchte, Hauptsache, man hat seinen Spaß. Denn wer die Feiertagsgesetze (oder den Sonntag?) abschaffen möchte, der sollte sich dann auch fragen lassen, ob denn nicht die Nachtruheregelung gleich mit abgeschafft werden kann. Es wäre zumindest logische Konsequenz. Das ist wie: "Mist, ich wohne nur unter Rentnern?! Ach was, wozu Rücksicht nehmen! Ich mach was mir gefällt.".
Was folgt dann als Nächstes? Die Abschaffung des Sonntags? Denn auch der Sonntag ist sozusagen eine Erfindung der Kirche. Auch das wäre eine logische Konsequenz. Und siehe da, genau das ist schon in Arbeit! Diese sogenannten Dortmunder Piraten (**1) haben da ein Pamphlet verbreitet, das mich nur noch den Kopf schütteln lässt. Die fordern tatsächlich den geschützten Sonntag abzuschaffen? Auch von anderer Stelle kam die Forderung, dass Sonntage nun nicht wirklich schützenswert seien. Wirklich? Noch mehr Geschwindigkeit in diese Gesellschaft bringen? Genügt die aktuelle Entwicklung nicht? Muss es immer noch schneller werden?
Wenn all das nicht neoliberaler Mist ist, also: "Ich mach was ich will, koste es was es wolle, Hauptsache ich!", dann weiß ich auch nicht mehr.
Die wollen den Sonntag abschaffen? Weswegen? Hass auf alles, was mit Kirche zu tun hat? Um dann was zu haben? 7 Tage Wochen? Noch vor Jahren feierten sich die Gewerkschaften, nach Jahrhunderten der ungezügelten Ausbeutung, endlich die 5 Tage Woche zu haben bei 40 Stunden. Will man nun alles rückgängig machen? Es wird keinerlei Lösung angeboten, wie eine Gleichbehandlung der kleineren Geschäftsleute aussehen könnte. Man macht sich schlicht keine Gedanken darum, was die eigenen Forderungen für Auswirkungen haben werden. Denn nur die Größten unter den Großen, dürften es sich leisten können, 7 Tage in der Woche ihren Laden gewinnbringend zu öffnen. Die Kleinen gehen kaputt, die Großen haben dann noch mehr Möglichkeiten, mithilfe der Billiglohn-Jobs, Menschen in ihre Gewalt zu bringen, auszubeuten. Ach deswegen fordert man ja das BGE ... *hust* .. Leute, ich bitte euch! ... Realität geht wirklich anders!
Unternehmen und deren Aktionäre werden niemals freiwillig auf etwas verzichten! Schon gar nicht zugunsten anderer, ihrer Mitarbeiter nämlich! Am Ende kann ich nur sagen: "Tolle neue Welt und mehr neoliberal geht dann wirklich nicht mehr!".
Es gibt tatsächlich vieles zu ändern, auch im Umgang mit der Kirche. Das, was dieser Programmpunkt aber fordert, geht im Prinzip zwar nicht zu weit, ist aber völlig unüberlegt. Wer diese Forderung, diesen Antrag, so wie er dort formuliert ist, unterstützt, sollte sich künftig sehr genau überlegen, wann er Hilfe annimmt und vor allem darüber nachdenken - vom wem sie kommt!
#MeineMeinung!
Zusatz:
https://twitter.com/HuWutze/status/838421436201066496
Eindeutig geht natürlich anders, klar. Aber es hat meine Einstellung zu diesem Thema bestätigt. Eine Mehrzahl ist dafür, den einkaufsfreien Sonntag zu behalten bzw. nur Teile daran zu verändern.
(**1) Was viele nicht wissen, die Mitantragsteller D. Pullem und A. Wille betreiben gemeinsam einen Spieleladen und sind beide im Vorstand der Dortmunder Piraten (Vorsitzender und "Beihilfe"). Die betreffende AG ist maßgeblich von beiden initiiert worden.
Die Trennung von Staat und Kirche ist mal wieder Thema zu einem Bundesparteitag. Ich ziehe an der Stelle nicht in Zweifel, dass diese Trennung von Staat und Kirche eine notwendige Grundvoraussetzung ist, um Menschen eine vom Gedanken her unabhängige und notwendige Gleichberechtigung zu ermöglichen. Deswegen gehören Treue-Schwüre auf die Bibel oder Bekenntnisse wie "So Gott mir helfe" nicht in öffentliche Ämter. Vereidigungen von Parlamentariern gehören da ebenso nicht dazu, da ein solch abgeleisteter Schwur für mich als bekennender Agnostiker auf irgend eine Bibel so gar keine Relevanz besitzt. Wenn unsere Bundeskanzlerin mir schwören würde, ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen zu tun, dann wäre ich beeindruckt. So gehört der Schwur lediglich irgendeinem fabelhaften Wesen, das für mich ohne Bedeutung ist.
So haben ebenfalls in staatlichen Einrichtungen keinerlei Glaubensartefakte etwas zu suchen. Unsere Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrhunderten weiterentwickelt. Diesem Ansatz sollte man Folge leisten. So gehören Kruzifixe weder in eine Schule, noch in einen Gerichtssaal. Ebenso gehören Kopftücher, als Ausdruck eines Glaubens, in keine Schule. Man wird mit einer Hautfarbe geboren, von der man sich nicht trennen kann, Glaubensbekenntnisse, welcher Form auch immer, gehören da nicht zu einer schützenswerten Spezies. So, wie mich nicht die sexuelle Vorliebe meines Gegenübers interessiert, so sind mir religiöse Vorlieben auch herzlich egal. Der Mensch ist mein Interesse, sein Handeln, nicht seine Herkunft oder auf welcher Grundlage sein Handeln basiert.
Antrag WP024
Trotzdem habe ich ein großes Problem mit diesem Antrag, weil er die sprichwörtliche Axt im Walde spielt. Piraten, so war meine Meinung bisher, wollten sich differenziert mit den Dingen in dieser Gesellschaft auseinandersetzen. Zu diesen Dingen gehört nachweislich auch der ein oder andere praktizierte Glaube. Dazu gehört aber ebenso die Beachtung historischer Entwicklungen und Gegebenheiten. Religionen gehören seit Menschengedenken zu den prägendsten Dingen auf dieser Welt. Dass dies oft nicht im Sinne und für den Menschen war, liegt lediglich am Menschen selbst. Der Papst z.B. ist nun mal Stellvertreter Christi auf Erden. Wie die meisten von uns sicher selbst wissen, nur Stellvertreter oder Angestellte können fehlbar sein, Chefs sind sozusagen sakrosankt. ,o)
Soll heißen, es ist der Mensch, der $Dinge tut, nicht irgendeine Kirche, Gott, Glauben etc.
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| Quelle (gbs Köln) |
Zwischenfrage, da ich euch kenne und Fragen vermute, die sich hinsichtlich der vielen Widersprüche zwischen der Bibel und dem Handeln der Kirche bewegen werden:
"Wo steht geschrieben, dass die Menschen logisch sind?" (Mr. Spock - Star Trek 4 - Zurück in die Gegenwart)
Die Kirchen sind ein Teil des heutigen öffentlichen Rechts als sogenannte Körperschaften. Kurz umschrieben, sie haben mit diesem Status teils umfassende Aufgaben der staatlichen Hoheit übernommen. Und hier ist insbesondere ein wesentliches Merkmal enthalten, das auf dem in der Bibel so oft beschriebenen Respekt gegenüber den Menschen basiert. Es gibt inzwischen unzählige kirchliche Einrichtungen, angefangen bei Krankenhäusern, Rettungsdiensten, über Kindergärten, Hospiz- und Pflegeeinrichtungen, bis hin zur Opferseelsorge. Alles Dinge, die auf Basis dieser Gesetze funktionieren und die der Staat selbst nicht in der Lage ist zu leisten! Und wer jetzt die Trennung von Staat und Kirche fordert, fordert im Prinzip eine teilweise Enteignung der Kirchen - was ja nicht das erste Mal passieren würde - und opfert damit einen großen Teil an gesellschaftlicher "Selbsthilfe".
Wer also diese Trennung von Staat und Kirche durchsetzen möchte, der sollte bitte gefälligst zuerst diese Dinge "revolutionieren" und verändern, die im alltäglichen Leben inzwischen nämlich selbstverständlich geworden und nicht mehr wegzudenken sind. Erst dann kann man die Sense ansetzen und den Rest entfernen. Salopp gesagt, wer mit Hilfe eines solchen Antrags die Ängste in der Gesellschaft schüren möchte - bitte gern - aber ohne mich.
Der Antrag fordert auch, Zitat: "Weiterhin sind Feiertagsgesetze zu streichen, die der Allgemeinheit aufgrund religiöser Auffassungen Verhaltensvorschriften auferlegen."
Das würde in letzter Konsequenz bedeuten, "Ihr erklärt von nun an den Kindern, weswegen Weihnachten oder Ostern flach fallen und ersatzlos gestrichen werden.", denn diese Feiertage, so die offen zur Schau getragene Denkweise der Antragsteller, gehören dann gleich mit abgeschafft! Und natürlich Vorschriften wegen eines Glaubens, zudem auch noch "von anderen", gehen schon mal gar nicht! Erst recht nicht, wenn es einen selbst nicht interessiert. Das ist wie mit dem Graffiti an einer Hauswand oder der Pyrotechnik "irgendwo". So lange es die betreffenden Antragsteller selbst nicht (be)trifft, findet man es schön und möchte, dass andere das auch tolerieren.
Oh wait!
Da ist es wieder, das Wort "tolerieren". Toleranz ist in meinen Augen auch ein Teil von Vorschrift, in gewisser Weise sozusagen eine verordnete Toleranz, eine Forderung sozusagen. Und Forderungen anderer erfüllt man ja eher widerwillig. Man stört den Nachbarn eben so lange mit seiner Musik wie man das möchte, Hauptsache, man hat seinen Spaß. Denn wer die Feiertagsgesetze (oder den Sonntag?) abschaffen möchte, der sollte sich dann auch fragen lassen, ob denn nicht die Nachtruheregelung gleich mit abgeschafft werden kann. Es wäre zumindest logische Konsequenz. Das ist wie: "Mist, ich wohne nur unter Rentnern?! Ach was, wozu Rücksicht nehmen! Ich mach was mir gefällt.".
Was folgt dann als Nächstes? Die Abschaffung des Sonntags? Denn auch der Sonntag ist sozusagen eine Erfindung der Kirche. Auch das wäre eine logische Konsequenz. Und siehe da, genau das ist schon in Arbeit! Diese sogenannten Dortmunder Piraten (**1) haben da ein Pamphlet verbreitet, das mich nur noch den Kopf schütteln lässt. Die fordern tatsächlich den geschützten Sonntag abzuschaffen? Auch von anderer Stelle kam die Forderung, dass Sonntage nun nicht wirklich schützenswert seien. Wirklich? Noch mehr Geschwindigkeit in diese Gesellschaft bringen? Genügt die aktuelle Entwicklung nicht? Muss es immer noch schneller werden?
Wenn all das nicht neoliberaler Mist ist, also: "Ich mach was ich will, koste es was es wolle, Hauptsache ich!", dann weiß ich auch nicht mehr.
Die wollen den Sonntag abschaffen? Weswegen? Hass auf alles, was mit Kirche zu tun hat? Um dann was zu haben? 7 Tage Wochen? Noch vor Jahren feierten sich die Gewerkschaften, nach Jahrhunderten der ungezügelten Ausbeutung, endlich die 5 Tage Woche zu haben bei 40 Stunden. Will man nun alles rückgängig machen? Es wird keinerlei Lösung angeboten, wie eine Gleichbehandlung der kleineren Geschäftsleute aussehen könnte. Man macht sich schlicht keine Gedanken darum, was die eigenen Forderungen für Auswirkungen haben werden. Denn nur die Größten unter den Großen, dürften es sich leisten können, 7 Tage in der Woche ihren Laden gewinnbringend zu öffnen. Die Kleinen gehen kaputt, die Großen haben dann noch mehr Möglichkeiten, mithilfe der Billiglohn-Jobs, Menschen in ihre Gewalt zu bringen, auszubeuten. Ach deswegen fordert man ja das BGE ... *hust* .. Leute, ich bitte euch! ... Realität geht wirklich anders!
Unternehmen und deren Aktionäre werden niemals freiwillig auf etwas verzichten! Schon gar nicht zugunsten anderer, ihrer Mitarbeiter nämlich! Am Ende kann ich nur sagen: "Tolle neue Welt und mehr neoliberal geht dann wirklich nicht mehr!".
Es gibt tatsächlich vieles zu ändern, auch im Umgang mit der Kirche. Das, was dieser Programmpunkt aber fordert, geht im Prinzip zwar nicht zu weit, ist aber völlig unüberlegt. Wer diese Forderung, diesen Antrag, so wie er dort formuliert ist, unterstützt, sollte sich künftig sehr genau überlegen, wann er Hilfe annimmt und vor allem darüber nachdenken - vom wem sie kommt!
#MeineMeinung!
Zusatz:
https://twitter.com/HuWutze/status/838421436201066496
Eindeutig geht natürlich anders, klar. Aber es hat meine Einstellung zu diesem Thema bestätigt. Eine Mehrzahl ist dafür, den einkaufsfreien Sonntag zu behalten bzw. nur Teile daran zu verändern.
(**1) Was viele nicht wissen, die Mitantragsteller D. Pullem und A. Wille betreiben gemeinsam einen Spieleladen und sind beide im Vorstand der Dortmunder Piraten (Vorsitzender und "Beihilfe"). Die betreffende AG ist maßgeblich von beiden initiiert worden.
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