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Mittwoch, 9. Mai 2018

Champions League oder Kindergarten?


Ich nehme mir mal beispielhaft den Text zum 1. Mai der Piratenpartei als Vorlage, um zu verdeutlichen, weswegen eine Frau Gabelmann in Gänze ungeeignet ist, eine wie auch immer geartete Öffentlichkeitsarbeit kompetent zu bewerkstelligen.

Frau Gabelmann meint von sich selbst, in der Champions League zu spielen, besagter Text besitzt allerdings nur Kindergartenniveau. Das wird mit dem ersten Satz schon deutlich. Auf einen Doppelpunkt im Satz beginnt das nachfolgende Wort in Großschreibung. Zudem ist dieser erste Absatz ein Sammelsurium an Worten, weswegen man insbesondere gegen Ende hin ganze Sätze zweimal lesen muss, um überhaupt zu verstehen, was Frau Gabelmann da ausdrücken möchte. Auch wenn eine FDP in geschwollenem Deutsch daherkommt und in Menschen unterteilt, die „leisten“ und Menschen, die „Minder- oder Nichtleister“ sind, bitte was ist das für ein Deutsch?

Der zweite Absatz ist dann so falsch wie er nur sein kann. Zitat:

„Dennoch lohnt ein näherer Blick auf diese Meldungen, um eine Standortbestimmung durchzuführen. Sind wir schon bei Arbeit 4.0? Oder verharren jene, die sich professionell mit Arbeitspolitik beschäftigen sollten, mit ihrem Denken immer noch im geistigen Mittelalter?“

Wen genau meint Frau Gabelmann? Wer genau führt diesen Blick der Standortbestimmung? Die Piraten? Wer beschäftigt sich professionell mit Arbeitspolitik? Die Presse? Die Piraten? Wer?

Im darauf folgenden Absatz wird die Frage beantwortet und spätestens ab hier wäre es einen Offenbarungseid der Piratenpartei. Denn sie schreibt wörtlich:

„Unser Verständnis und unser Begriff von Arbeit stammen tatsächlich noch aus dem Mittelalter, aus einer calvinistischen Denkweise, die sich am besten mit dem Satz „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ beschreiben lässt.“

Übersetzt lautet der Satz folgendermaßen:

„Das Verständnis der Piraten von Arbeit stammt tatsächlich noch aus dem Mittelalter ...“

Und spätestens ab hier braucht niemand weiterzulesen, denn es wird ja beschrieben, dass die Piratenpartei hier auch nichts Neues zur Verfügung hat, sondern selbst auch im Mittelalter feststeckt. Insbesondere der Begriff „calvinistisch“ ist vom Prinzip her beschämend in seiner Verwendung. Denn beim Clavinismus handelt es sich zuerst einmal um eine christliche Weltanschauung, auch wenn inzwischen einige Fragen zur Lebensführung in der Welt damit beantwortet werden können. Grundsätzlich aber hat dieser Begriff da nichts zu suchen. Schlägt man den Begriff in einer Enzyklopädie nach, wird man sich spätestens ab hier die Frage stellen: „Was will der Autor uns damit sagen?“. Die Verwendung dieses Begriffs soll offenbar einzig die Eloquenz des Autors dokumentieren, nicht jedoch sinnstiftend für den gesamten Text sein.

Das Problem der Satzverstümmelung zieht sich durch den gesamten Text und macht ihn damit schlicht unlesbar. Spätestens jedoch mit diesem Satz (siehe Zitat) kann man dem gesamten Aufsatz Fakenews attestieren, da es sich um eine falsche Aussage handelt.

„Sogar halbe Staatsunternehmen sind da leider nicht ausgenommen, wie die Deutsche Post mit ihren neuen Richtlinien zur Entfristung von Arbeitsverträgen eindrucksvoll beweist.“

Die Deutsche Post als Unternehmen befindet sich seit 2005 nicht mehr in Staatsbesitz. Seit 2013 liegen die Staatsanteile sogar bei weniger als 25%. Und auch, wenn diese Formulierung „Staatsunternehmen“ noch stimmen würde, wie kann nur die Hälfte eines Unternehmens agieren, die andere Hälfte nicht? Dieser Satz hat nichts mit Logik zu tun und ist deswegen unsinnig.

Spätestens ab hier hatte ich keine Lust mehr, weiterzulesen. Es ist ein dummer Text. Um die Analyse jedoch zu Ende zu bringen, werde ich diese Kröte schlucken müssen.

Jetzt folgt der Beweis, dass Frau Gabelmann den Text verfasst hat, denn sie spricht von „ihrem schwarzen Pendant“ und von „Kollegin“, die sie in Frau Kramp-Karrenbauer von der CDU sieht. Angesichts der Qualität dieses Textes wird Frau Kramp-Karrenbauer das ganz sicher anders sehen.


Frau Gabelmann geht dann weiter über die Thematik BGE und das Verhältnis der Gewerkschaften dazu, die dies und jenes nicht verstanden hätten. Den nächsten Absatz beginnt sie wieder mit mit einem Fehler (auf Doppelpunkt folgt Großschreibung). Im Weiteren schreibt sie:

„Ja, es wäre eine absolute Revolution und echtes Neuland. Aber das ist ja mit Paradigmenwechseln immer so.“

Der Satz ist meiner Meinung nach die Krönung der gesamten Abhandlung. Das BGE wäre natürlich eine „Revolution“ im sozialpolitischen und gesellschaftlichen Sinne. Was darauf bei ihr jedoch folgt, ist die Verwässerung des Begriffs „Neuland“. Sie transponiert den Begriff weg von einer Digitalen Gesellschaft hin zu einem BGE. In meinen Augen in unzulässiger Art und Weise. Bemerkenswert ist dann der Einsatz des Begriffs „Paradigmenwechsel“. Ein Paradigma ist eine grundsätzliche Denkweise, eine Lehrmeinung. Um diesen Wechsel zu erreichen gibt es aus meiner Sicht nur zwei Möglichkeiten:

1. Eine Revolution, aus der heraus sich ein Umdenken zwangsläufig entwickelt, bzw. entwickeln soll, sonst bräuchte es ja keine Revolution.
2. Ein Umdenken auf Basis einer historischen Weiterentwicklung, ein Umstoßen bisheriger Meinungen und Ansichten zum Wohle von [ … ] hier einer Gesellschaft.

Das Wort „Paradigmenwechsel“ ist an der Stelle schlicht unangebracht. Offenbar soll es lediglich dokumentieren: „Der Verfasser des Beitrages kennt Fremdwörter.“

Das dann Gewerkschaften einen Beruf haben und kein Konstrukt bzw. Zusammenschluss von Personen und Gruppierungen sind, war dann auch mir neu. Zudem weiß sie ganz sicher nicht, aus welchen Personen (und ihren Berufen) heraus sich die Gewerkschaften geformt haben. Denn sie schreibt (Zitat):

„Ich jedenfalls habe den Eindruck, dass die Gewerkschaften, die sich rein beruflich schon ein bisschen auskennen sollten, noch weniger vom Bedingungslosen Grundeinkommen verstanden haben als Ottonormalleser.“

Entschuldigung, das ist Deutsch, welches ich in der 4. Klasse erwarte, nicht aber von einer Person, die Öffentlichkeitsarbeit einer Partei organisieren möchte und „Champions League“ spielen will.

Nichts geht mehr ...

An der Stelle beende ich meine Textschau nun doch vorzeitig, denn alles Folgende würde meine vorigen Erläuterungen nur wiederholen. Denn das, was Frau Gabelmann mit diesem Text abgeliefert hat, ist einer Partei unwürdig zu veröffentlichen. Dieser Text beinhaltet nichts weiter als grauenvoll zusammengewürfelte Wortfragmente. Dieser Text ist unlesbar, durchtränkt von Schreibfehlern, schlechtem Deutsch und Grammatik. Dieser Text ist noch nicht einmal in kleinen Teilen zitierfähig, da zum schlechten Deutsch auch noch gravierende inhaltliche Fehler kommen.


Fazit: Gut gedacht ist noch lange nicht gut gemacht. Die geistige Schöpfungshöhe für diesen Text ist nicht höher zu bewerten als die eines Viertklässlers. Und die spielen bekanntlich allenfalls in der Kreisliga.

Aber es ist halt so wie im sonstigen Leben: „Karriere macht, wer auf seinem letzten Posten gut war, ohne dass erwiesen ist, dass er es auch auf seinem neuen Posten kann.“


In diesem Sinne, viel Spaß mit dieser Politischen Geschäftsführerin. Meine Forderung, auch angesichts dieser Textwüste, wäre: „Frau Gabelmann, treten Sie umgehend zurück!“.

PS:  Mein Anspruch ist nicht Champions League, denn privater Blog ist nicht Parteimedium.

Mittwoch, 20. April 2016

Wie besser?

Eine Antwort an den @Musikpirat - Christian Hufgard zu seinem Beitrag: "Von toten Pferden, lebenden Piraten und Hoffnung" und in Fortsetzung bzw. Ergänzung auf den Blogpost der Drachenrose.

Hallo Christian, danke für diese weitere Einschätzung des aktuellen Zustands der Piratenpartei. Ich gebe sowohl dir, als auch der der Arbeit von Carmelito, tatsächlich recht. Der Zustand der Piratenpartei ist - gelinde gesagt - desaströs. Die Gründe sind so vielfältig wie die Mitglieder selbst. Von einer homogenen Gruppe kann man hier tatsächlich nicht sprechen. Es wäre sicher von Vorteil, aber man kann sich die Mitglieder leider nicht backen, daher muss man das nehmen, was man hat. Na ja, fast .. ;o)

Ich vermisse und vermisste bisher immer und überall, in den Texten zum Zustand der Piraten, Ideen, wie man etwas besser machen könnte. Entweder hat tatsächlich keiner Ideen, was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, oder man traut sich nicht, vorzupreschen und neue Ideen zu präsentieren. Vermutlich ist auch beides möglich. Einen Teil davon hat die Drachenrose ja schon formuliert, einige, aus meiner Sicht, wesentliche Dinge fehlten mir jedoch noch.

Für diesen Text nutze ich der Einfachheit halber mal meine Worte, weil sie genau das aussagen/ ausdrücken sollen, was ich meine und nicht, wie sie am schönsten aussehen sollen. Wer das nicht mag, kann das Text Lesen an dieser Stelle gern beenden.
Bitte - Danke.

Das Spiel mit den Blümchen

Die Piraten sind alles andere als tot. Wer das behauptet, hätte das gerne. Die Piraten haben sich aus meiner Sicht nur verzettelt. An die Stelle klarer Worte ist das Abwägen von Worten getreten. Meine Definition für viele Piraten lautet hier immer: "Du willst schöne Blümchen um die Sprechblase, damit der Inhalt der Botschaft schöner aussieht.". Oder anders gesagt, "Form geht vor Inhalt(?)". Hauptsache, die Botschaft wurde "schön herüber gebracht, da spielt der Inhalt keine Rolle mehr". Ergebnis dieser Prozedur war die allen bekannte, berühmt-berüchtigte "Flauschcon".

Die Piraten hat, natürlich nicht allein, dieser ganze "Genderwahnsinn" letztlich entzweit und dazu geführt, dass man keine klare Sprache mehr sprechen konnte, ohne gleich einem Shitstorm ausgesetzt zu sein. (Ich höre gewisse Leute schon wieder meckern)

Sprache zu gendern, bzw. sie vielleicht sprachlich zu entschärfen, mag durchaus wichtig sein. Die Frage aber ist: "Muss das heute schon sein?". Gibt es nicht heutzutage wesentlich wichtigere Punkte auf dieser Welt, in diesem Land, die geklärt und bearbeitet werden müssen?

Es geht prinzipiell gar nicht darum, den einzelnen Punkten eine "Wertigkeit" zu verpassen. Es geht nur darum, so eine Art von Zeitlinie zu erarbeiten. Welcher Punkt muss erfüllt sein, damit ich die nächsten Schritte tun kann? Welche Punkte kann ich "auf später" verschieben, weil sie primär nicht die ersten Schritte unterstützen, sondern nur Personal und damit Arbeitszeit binden und uns behindern?

Ich nenne das für mich für gewöhnlich: "Die Politik der kleinen aber bedachten Schritte.".

Wer fragt der führt!

Ein weiterer Punkt ist die von mir so oft kritisierte "vorausschauende Angepasstheit". Werden Anträge zu Programmen gestellt, wird diskutiert, gefochten, gequengelt und gestrichen was das Zeug hält. Heraus kommen dann oft schwammige Anträge, die die Grundidee zwar noch wiedergeben, nicht jedoch die Chance haben, jemals in die Tat umgesetzt zu werden. Unsere Anträge sind in den meisten Fällen nicht praxistauglich. Sie sind zerredet, oft viel zu umfangreich und damit inhaltsleere Textwüsten. Nicht umsonst wird häufig gesagt, dass das Piratenprogramm unverständlich für andere sei.

In Hessen wurde das damals richtig gemacht. Das alte Programm ersatzlos gestrichen und durch das Programm der Isländischen Piraten ersetzt. Einfach, prägnant und - das ist ganz wichtig - es lässt Optionen offen! Wir müssen nicht gleich jede Eventualität, die nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen auftreten kann, im Keim erschlagen. Das ist kein Perfektionismus, das ist schlicht und einfach Korinthenkackerei. Etwas, woran die Piraten in der Tat scheitern werden!

Klare Sprache vermisse ich auch in unserer Außendarstellung. 2009 waren die Piraten "die mit den Fragen". Das stand auf gefühlt jedem zweiten Wahlplakat. Und heute sind die Piraten: "die mit den Forderungen". Ich weiß nicht genau, was das soll, denn gehe ich in unserem Lande auf und ab und spreche mit den Menschen, höre ich da Forderungen? In den allermeisten Fällen höre ich Fragen nach dem "Warum"!

Wer des Wählers Stimme haben möchte, der sollte sich bemühen, auch seine Sprache zu sprechen, seine Gedanken verständlich zu machen. Der Wähler muss also sich selbst in unseren Worten wiederfinden können! Passiert das? Nein!

Wir sollten wieder den Mut haben, Fehler zu machen! Damit meine ich keine Beschneidungsdebatten! Solche Diskussionen sind Gift, weil es dafür _KEINE_ logische Antwort geben kann! Wir hantieren mit diesem Thema an - Glauben -, nicht an logischen Schlussfolgerungen oder so. Von daher - Finger weg - ! Daran sollen sich Merkel und Co die Finger verbrennen. Wir müssen echt nicht zu allem unseren Senf abgeben. Auch, wenn es einige gibt, die das gern auf der Agenda hätten. Hier sollte ganz drastisch kar gemacht werden - Piraten sind keine Spielarena für Menschen mit Partikularinteressen, die sie gern für sich allein umgesetzt sehen wollen! Entweder es ist ein Thema, das alle Piraten plus die Gesellschaft interessiert, oder kannst du gern woanders spielen! Punkt.

Zurückfinden

Wir müssen endlich den Weg dahin zurückfinden, wieder "angreifbar" zu werden! Auf die blöden Fragen von Presseleuten damals - "Aber ihr habt doch kein Programm!" - haben wir was gemacht? Wir haben uns treiben lassen und ein Vollprogramm entwickelt, das am Ende keinen mehr interessiert hat. Diese merkwürdige "Alternative" hat auch kein Programm, tut aber mit ihren Spartenthemen genau das Richtige - "Sie polarisieren"!

Ja, wir können uns durchaus genau daran ein Beispiel nehmen. Nun, natürlich nicht thematisch, nicht in Fremdenhass oder Islamkritik verfallen. Das wäre der falsche Weg. Aber Merkel zum Beispiel vor sich hertreiben, in dem man ihr knallhart vor den Kopf haut und ihr sagt: "Du treibst mit deiner Politik des Aussitzens und mit deinen hohlen Sprüche viele Bürger genau in die Arme dieser 'Alternative'!". Du (Merkel) sagst: "Der Islam gehört zu Deutschland"? Natürlich tut er das, nur nicht jener Islam, der Scharia fordert oder Mädchen und Frauen diskriminiert!". Das wären deutliche Worte! Aber in genau demselben Stil wird ein Böhmermann ans Messer eines Despoten geliefert. Mehr als 2/3 der Deutschen sind dagegen. Und was macht Frau Merkel? Das gewählte Oberhaupt, gewählt in einer demokratischen Wahl, vom Volk, als dessen Stellvertreter? Sie tut entweder nichts oder sie wendet sich gegen den Willen des Wahlvolkes!

Nun ja, Piraten fordern derweil lieber die Abschaffung einer GEZ. Steht zwar nirgends, passt aber grad so schön in den Text, weil es ja etwas von Staatsfunk hat und damit an die DDR erinnert. (Alter, ich hab heut noch Hals wegen dieser dümmlichen PM!)

Interessant sind dann auch solche Sätze (heute) aus dem Landtag NRW - UND KEINEN REGT ES AUF(!). Da sagt einer dieser Abgeordneten folgenden Satz, sinngemäß, in Richtung Piraten: "Sie solidarisieren sich mit den Schülern, damit Sie deren Stimmen bekommen und im Landtag bleiben"
What the Fuck?! Wie kann eine Partei nur Dinge, die sie früher mal versprochen hat, diese auch noch auf die Themenliste zur Abstimmung bringen? Ja ich weiß, SPD, Grüne und alle anderen, versprechen das blaue vom Himmel und machen nichts bzw. das Gegenteil davon! Und wir? Nüx, nada .. das müsste nen Shitstorm geben. Aber nix.


Fazit?

Wir müssen raus aus der Falle, alles in schöne Worte zu verpacken. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird! Außerdem, was interessieren mich Dinge und wie sie zum "nicht Funktionieren" gebracht werden können?! Allein habe ich 1000 Antworten dazu, wie etwas nicht funktionieren kann! Da brauche ich keinen anderen, der mir das sagt. Aber wäre es stattdessen nicht mal viel besser, darüber nachzudenken, wie etwas zum Funktionieren gebracht werden kann? Auch, wenn es vielleicht utopisch sein mag, genau diese eine Idee zu durchdenken. Aber kann es nicht durchaus passieren, dass aus dieser einen unmöglich erscheinenden utopischen Idee, wenn man sie positiv durchdenkt, etwas Neues, viel Besseres an Gedanken entsteht?

Zuhören ist allererste Pflicht. Und nur zuerst zuhören! Dann durchdenken! Dann kann man eventuell mal eine Antwort geben. Aber auch nur dann, nicht vorher! Aber zuhören können die meisten nicht. Sie wollen es nicht, weil das eigene Weltbild sonst in sich zusammenbrechen könnte! Man müsste sich ja andere Gedanken machen, die die eigene Argumentation zerstören würde. Ich sags ganz frei, auf solche Leute können wir verzichten! Jederzeit! Sie stören und hemmen nur die kreativen Gedanken und Ideen!

Wir brauchen - und das ist wohl derzeit das wichtigste - Personen, die ihren Kopf für uns hinhalten und aggressiv/konstruktiv, unsere Ideen nach vorne bringen. Wir müssen zeigen, dass wir gewillt sind, Dinge zu verändern. Wir müssen zeigen, dass wir sachorientiert arbeiten. Mit uns würde es keine Koalitionen geben, die unsere eigenen Ideen mit Füßen treten, so wie es SPD und Grüne vormachen! Wir müssen zeigen, dass wir jene sind, die versuchen, eine fortschrittliche, dem Menschen zugewandte Gesellschaft fördern zu wollen. So und nicht anders können wir noch punkten. Ansonsten können wir die Piraten tatsächlich begraben. Außerdem sind wir eine Partei, kein Aktionsbündnis!

Wir müssen jetzt alles auf eine Karte setzen, falsch machen können wir nichts mehr. Wir können nur noch gewinnen! Alles andere hat keinen Zweck mehr! Entweder, wir versuchen, ein vernünftiges Gesellschaftsbild zu etablieren, oder wir lassen es sein.

Freitag, 6. November 2015

Die Vierte Macht im Lande kann nicht überall neutral sein!

Lieber Marco Bertolaso, lieber DLF,

ich antworte auf den Beitrag von Marco Bertolaso der auf der Webseite des DLF schrieb: "Die 'sieben Todsünden' der Nachrichten" [2] vom 02.11.15 in Form eines offenen Briefes, gerichtet an alle Öffentlich-Rechtlichen Medien als auch an die verbleibende Presselandschaft in Deutschland.

tl/dr
Neutralität über alles geht nicht! Schon gar nicht, wenn ihr selbst betroffen seid!


Überall in den Medien sprießen derzeit die Selbstkasteiungen [1/2] wie Pilze aus dem Boden. Ausgerechnet das Un-Wort "Lügenpresse" treibt Redakteure und Journalisten dazu, sich für ihr Handeln rechtfertigen zu müssen. Das geschieht nicht selten auch durch Selbstkritik, die nur leider nicht den Grund erreicht, der letzlich für den Verlust des Vertrauens großer Bevölkerungsteile in die Presse verantwortlich ist.

Ich kann dieses Dilemma verstehen, denn wer beispielsweise Gegner von TTIP ist, wird sich nicht Voreingenommenheit vorwerfen lassen wollen und daher die vermeintlich positiven Punkte gesondert hervorheben. Einseitige Meinungsmache kann man zum Beispiel auch denen vorwerfen, die zwar gerechtfertigt die üble Meinungsmache eines Kopp-Verlags herausstellen, aber Bild, Stern und Co. darüber vergessen, die ja letztlich in dieselbe Kerbe hauen und offen rassistische bzw. fremdenfeindliche Cover benutzen. Einseitige Berichterstattung ist eben nicht nur das Verfälschen von Informationen durch falsche Bilder. Einseitige Berichterstattung ist auch, wenn man dem einen die Fehler vorwirft, dieselben Fehler anderer aber nicht im gleichen Atemzug nennt.


Wobei diese Beispiele allesamt gerade noch verzeihlich wären. Die Medien aber haben ihre Glaubwürdigkeit prinzipiell nicht wegen solcher Berichterstattung in meinen Augen verloren.

Wenn es meinen Berufsstand beträfe, hättet ihr vom Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk eigentlich spätestens dann auf die Barrikaden gehen müssen, als das "Depublizieren" von Beiträgen auf euren Webseiten begann! Der Steuerzahler hat (in Form von GEZ-Beiträgen) für eure Veröffentlichungen, für eure Arbeit, bezahlt. Damit ist all eure Arbeit finanziert und zudem Allgemeingut geworden. Aber all euer Wissen wird nach wenigen Tagen einfach weggeschlossen! Warum lasst ihr euch das gefallen?

Die Medien in Deutschland sind alle in einem gewissen Maße deswegen unglaubwürdig geworden, weil eigentlich ein Aufschrei, ein Erdbeben durch alle Redaktionen im Land hätte gehen müssen, als die Enthüllungen seitens Edward Snowden bekannt wurden.

Es hätte ein weiterer Aufschrei durch alle Redaktionen, von der Tagessschau über Bild bis hin zum DLF gehen müssen, als die ersten Vorschläge zu einer erweiterten Vorratsdatenspeicherung bekannt wurden. Die Presse hätte an der Vorratsdatenspeicherung nicht ein einziges schönes Eckchen entdecken dürfen! Stattdessen macht sich die Presse zum Handlanger einer Überwachungsmaschinerie und nimmt hin, was da aus dem Bundestag kommt. (Aktueller geht es nicht!) -> [3]

Also, wer solches Verhalten nicht merkwürdig findet...? Gesetze, die direkt euch und eure freie Arbeit betreffen und demnach einschränken, werden einfach so hingenommen? Kein vernünftiger Mensch kann das erklären. Ihr berichtet so, als ob ihr, die Presse, vollständig außerhalb dieser Gesellschaft agiert.

Ihr berichtet völlig "neutral", kalt und wie emotionslose Maschinen, über beispielsweise fast 20% Bundesbürger, die kurz vor der Armutsgrenze existieren. Ihr werdet nicht mal dann sichtbar aktiv, wenn Bürgerrechte weiter ausgehöhlt werden. Es hat fast den Anschein, als ob euch das alles nur peripher interessierte. Vergleicht man dann diese Meldungen zu Problemen in der Gesellschaft, mit den Nachrichten zur Börse, wird man die Kluft in der Berichterstattung so richtig gewahr. Denn da werden dann plötzlich Begründungen und Umstände für Kursverluste oder Steigerungen mit teils abenteuerlichen Begründungen geliefert. Diese Art von Berichterstattung lässt mich jedes Mal erschaudern, denn andernorts fehlen nähere Erläuterungen, was dann irgendwie suggeriert, das Ganze gehe euch nichts an.

So lange die Presse augenscheinlich (nicht tatsächlich!) Positionen nach außen vertritt und verbreitet, die gegen alle gesellschaftlich- moralischen Werte verstoßen, so lange wird von den weniger informierten Menschen "Lügenpresse" gerufen werden. Ihr zerstört mit eurer allumfassenden Neutralität viel nachhaltiger diese Gesellschaft, als es die Politik allein je tun könnte. Denn es gibt kein "Vorratddatenspeicherung ist gut" oder "Überwachung ist gut"! Im Übrigen, da wo gute Dinge zu finden sind, wird auch immer das Schlechte nicht weit weg sein. Nur das, was wir alle daraus machen, wird letztlich dafür entscheidend sein, wie die Nachwelt uns wahrnehmen wird.

Ihr seid die viel zitierte Vierte Macht im Land, jedoch ihr nutzt dieses Potential nicht einmal im Ansatz. Ihr versteckt euch hinter journalistischen Grundsätzen, die ihr inzwischen so weit gebogen habt, dass der Anschein entsteht, es ginge euch alles nichts an. Mit einer Metapher erklärt: "Ihr erstickt vor lauter Neutralität".

Es gibt das ein oder andere zarte Pflänzchen, welches das große Potential zeigt was in euch steckt. Heute-Plus ist beispielsweise so ein Format. Aktuell und Dinge erklärend, ohne den Zeigefinger zu erheben. Bitte mehr davon und dann aber in der Primetime! Tagesschau und auch Heute sind überholt und gehören in dieser Form endlich zum alten Eisen! Oder schaut bei Tilo Jung und seinem Youtube-Kanal vorbei. Fragen, die den Regierungssprecher fast ständig zum Straucheln bringen. Warum sind diese Diskrepanzen, diese Worthülsen der Regierung, in den öffentlich rechtlichen Nachichten niemals auf solch dramatische Weise zu sehen?

Wird es nicht mal Zeit für eine Kehrtwende? Ist es nicht endlich an der Zeit, eure gesellschaftliche Verwantwortung neu in die Hand zu nehmen und zu regeln? Ist es nicht endlich an der Zeit, euer vergangenens Handeln (und vor allem Unterlassen) zu hinterfragen? Ist es nicht endlich an der Zeit, die Verwantortung zu übernehmen, die der viel zitierten vierten Macht im Land zusteht? Ihr seid das Sprachrohr der Menschen im Land, nicht das der Regierung.

Ich las in den vergangenen Tagen einen Satz der an dieser Stelle passend erscheint: "Merkel muss nicht, so wie Erdogan, gegen kritische Presse vorgehen!". Eigentlich steckt einiges an Wahrheit darin. Merkel hat keine Angst vor euch! Denkt mal darüber nach.


http://www.bpb.de/izpb/7492/warum-medien-wichtig-sind-funktionen-in-der-demokratie?p=all

[1] https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/gegen-den-mainstream
[2] http://www.deutschlandfunk.de/aus-der-nachrichtenredaktion-die-sieben-todsuenden-der.1818.de.html?dram:article_id=335641
[3] http://www.tagesschau.de/inland/vorratsdatenspeicherung-139.html

Freitag, 31. Juli 2015

Piraten haben etwas gesagt

Wenn unsere #Piraten #Presse der @Piratenpartei begreifen würde, dass der Generalbundesanwalt "Als weisungsgebundener politischer Beamter mit den politischen Zielen der Bundesregierung übereinzustimmen hat.", wäre schon viel getan.

Diese Ermittlungen gegen netzpolitik.org kommen also von höchster politischer Stelle und nicht, wie geschrieben, auf alleinige Initiative des Chefs des Verfassungsschutzes.

"Der Generalbundesanwalt ist ein politischer Beamter, er soll die kriminal- und sicherheitspolitischen Ansichten und Ziele der jeweils amtierenden Bundesregierung teilen [...]" steht auf Wikipedia beschrieben.

Und jetzt stellt euch doch endlich mal die Frage: "Wer hat ein Interesse daran, dass Informationen zur massenhaften Überwachung der eigenen Bevölkerung nicht nach außen gelangen?". Denn auch der Verfassungsschutz oder der BND arbeiten auf Grundlage dessen, was diese Große Koalition vorgibt. Also direkte Order aus dem Bundeskanzleramt!

Der Blogpost auf Piratenpartei.de ist zwar inhaltlich so weit richtig, jedoch so schwammig formuliert, dass man meinen möge, die Piraten tappen noch mehr im Dunklen als alle anderen Medien, die darüber berichten, bzw. davon betroffen sind.

Mit solchen schlechten Blogposts wird das durch die Ergebnisse des #bpt151 in die Piraten gesetzte Vertrauen der Presse, die derzeit als einziges politisches Korrektiv wirksam werden könnten, vorzeitig verspielt. Schlimmer noch, die Piraten liefern wieder nichts weiter als das, was die Presse eigentlich schon weiß. Neuen Schwung, neue Inhalte, neue Ideen, neue Fragen, viele Fragen, werden auf diese Weise nicht geboren. Man erstickt den Leser mit Worten um ihn letztlich schlafend zurück zu lassen.

Zum Vergleich, die Flaschenpost hat einen um Längen besseren Text veröffentlicht als die Presseabteilung der Piratenpartei!
* https://flaschenpost.piratenpartei.de/2015/07/30/generalbundesanwalt-ermittelt-gegen-netzpolitik-org/

Ich will schon lange etwas an unserer Kommunikation verändern. Wer noch? Meldet euch bitte bei mir, gemeinsam ist das zu schaffen. Denn, so wie jetzt kann es nicht bleiben. Auch existiert seit über einem Jahr ein "Orga-Pad", in dem Strukturen und Arbeitsweise einer möglichen (neuen, verbesserten) Öffentlichkeitsarbeit im Bund beschrieben sind. Ihr habt Ideen? Dann packt sie da rein, jeder wird gebraucht. (Mit diesem Absatz sollte man mir nicht unterstellen können, ich täte nichts und würde nur kritisieren - die Idee ist über ein Jahr alt!)

* https://www.piratenpartei.de/2015/07/30/piraten-anklage-wegen-landesverrats-gegen-journalisten-auf-einem-auge-blind/
* https://de.wikipedia.org/wiki/Generalbundesanwalt_beim_Bundesgerichtshof